Steuerberatung bleibt den Steuerberatern vorbehalten

Absage des Gesetzgebers an nicht ausgebildeten Parallelberuf: Mit der heute im Nationalrat beschlossenen Novelle der Berufsgesetze für Wirtschaftstreuhänder und Bilanzbuchhalter ist eindeutig geregelt worden, dass Steuerberatung den dafür ausgebildeten Steuerberatern vorbehalten bleibt. Bilanzbuchhalter sind zur Steuerberatung nicht befugt, dürfen keine Steuererklärungen ausfüllen und auch nicht vor der Behörde vertreten. Für den Präsidenten der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Klaus Hübner, ist die klare gesetzliche Regelung der Befugnisse ein ganz wesentlicher Schritt. Hübner: „Der Gesetzgeber hat der Bedeutung der Steuerberatung Rechnung getragen. Die Steuerberatung ist zu wichtig, als dass man sie einer dafür nicht ausgebildeten Berufsgruppe überlassen könnte.“

Mit der Gesetzesnovelle wird ein langer Streit zwischen Steuerberatern und Buchhaltern um die Befugnisse beendet. In den letzten Jahren wurden die Befugnisse der Buchhalter auf Drängen der Wirtschaftskammer Österreich sukzessive ausgeweitet. Zuletzt lagen die Forderungen bei einer wesentlichen Anhebung der bestehenden Bilanzierungsgrenzen und dem Verlangen, für die Klienten Steuererklärungen abgeben zu dürfen. Für die Steuerberater wurde damit eine rote Linie überschritten. „Das Ausfüllen der Steuererklärung ist das Ergebnis der Steuerberatung, für die die Bilanzbuchhalter nicht ausgebildet und nicht geprüft sind“, argumentiert Klaus Hübner für das Präsidium der KWT angesichts der Unterschiede zwischen Handels- und Steuerbilanz und Präsidiumsmitglied Karl Bruckner ergänzt: „Wer glaubt, die Daten einfach aus der Bilanz in die Steuererklärung übertragen zu können, hat das Wesen und die Komplexität der Steuerberatung nicht verstanden.“

Mit der von den Bilanzbuchhaltern gewünschten Befugniserweiterung wäre ein minder qualifizierter Parallelberuf zum Steuerberater entstanden, was nicht im Interesse der Wirtschaft liege, sagt dazu Kammervizepräsident Helmut Puffer. „Die Steuerberatung ist zu risikobehaftet, um sie jemandem ohne Steuerberaterprüfung zu überlassen“, sagt Puffer und Vizepräsident Roland Rief wehrt sich gegen den Vorwurf, dass man sich nur unliebsame Konkurrenz vom Leib halten wolle: „Wer in der Steuerberatung tätig sein will, soll die Steuerberaterprüfung machen. Dieser Weg steht jedem offen, auch den Bilanzbuchhaltern.“

Erreicht haben die Bilanzbuchhalter eine Befugniserweiterung was die Bilanzierungsgrenzen und die Durchführung der Arbeitnehmerveranlagung betrifft, wobei bei letzterer klar gestellt ist, dass die Vertretung vor den Behörden weiter den Steuerberatern vorbehalten bleibt. Neu geregelt wird auch die Interessensvertretung. Alle Buchhaltungsberufe werden ab 1. 1. 2013 in der Wirtschaftskammer Österreich zusammen gefasst. Die Bilanzbuchhalter wechseln von der Kammer der Wirtschaftstreuhänder in die WKÖ.

Quelle: http://www.kwt.or.at